Ich soch ja immer: „haubdsach a Ärberd!“

„Gute Arbeit für Europa“, so lautet das diesjährige Motto, mit dem der DGB zum sogenannten Tag der Arbeit aufruft. Diese Parole offenbart den tatsächlichen Charakter der gegenwärtigen Gewerkschaften. Sie halten mit ihren Forderungen nach guter Arbeit an Reformen wie faires Einkommen, berufliche und soziale Sicherheit fest und verkennen damit, dass die gesellschaftlichen und individuelle Probleme so oder so durch die Produktionsverhältnisse entstehen und dass diese radikal überwunden gehören.

Gerechte Löhne statt mehr Lohn ist das, was blieb vom Distributionssozialismus der Gewerkschaften und Lasalleschen Partei. Doch bereits von Anfang an kranken Gewerkschaften und linke Parteien an ihren bürgerlichen Schranken, die zu ihrem Horizont wurden. „Gerechte“ Verteilung ist – richtig gesagt – die Verteilung von Konsumtionsmitteln, wie sie Folge der Verteilung der Produktionsbedingungen selbst ist. Somit ist die heutige Verteilung gerecht, da die Rechtsverhältnisse aus den ökonomischen entspringen. Es ist in der Tat die einzige „gerechte“ Verteilung auf Grundlage der heutigen Produktionsweise (vgl. – Kritik des Gothaer Programms. Marx). Auf der Zuteilung der sachlichen Produktionsbedingungen an Nichtarbeiter_innen und der Ware Arbeitskraft an die Masse als Eigentümer_innen der persönlichen Produktionsbedingung beruht die kapitalistische Produktionsweise. „Sind die Elemente der Produktion derart verteilt, so ergibt sich von selbst die heutige Verteilung der Konsumtionsmittel“ (Kritik des Gothaer Programms. Marx). Wozu also noch Gewerkschaften und die Linke, wenn das, was sie fordern – Gerechtigkeit – eine sich selbsterfüllende Folge der Produktionsweise ist? Wieso etwas fordern, was sich dem Stand der Gesellschaft entsprechend von selbst einstellt? Was ist das emanzipatorische an „Gerechtigkeit? – Nichts, es ist bürgerliche Scheiße. Sie rührt daher, dass die ganzen Sozialist_innen allein, um wie andere Bürger_innen auch, im Bestehenden etwas am Verhandlungstisch fordern zu können, sich auf die „soziale Gerechtigkeit“ einschossen. Es geht nur ums Mitspielen, nicht ums kritisieren und ändern: „Der Vulgärsozialismus (und von ihm wieder ein Teil der Demokratie) hat es von den bürgerlichen Ökonomen übernommen, die Distribution als von der Produktionsweise unabhängig zu betrachten und zu behandeln, daher den Sozialismus hauptsächlich als um die Distribution sich drehend darzustellen (Kritik des Gothaer Programms. Marx). Das macht es ihnen leicht, groß als sozialistische „Kämpfer_innen“ für die „gerechte Sache“ aufzutreten ohne auch nur ein kleines Bisschen an den bestehenden Verhältnissen rütteln zu müssen. Die Distribution ist die Spielwiese der Möchtegerns. Das macht es leichter sich gut zu fühlen ohne etwas zu tun. Die Gewerkschaften sind der Schwanz mit dem der Hund Kapitalismus wedelt.

Mit dem Auftreten des DBG wird gezeigt, dass Gewerkschaften (nur noch) Teil der herrschenden Verhältnisse sind. Soziale Ungerechtigkeit“ ist ihnen zwar ein Dorn im Auge, was zunächst positiv erscheint, aber die soziale Ungleichheit reproduzieren sie mit. Lohnarbeit kann niemals gut sein, auch wenn die einzelnen Verkäufer_innen der Ware Arbeitskraft sicherlich von verbesserten Marktbedingungen profitieren. Höhere Löhne befreien nicht von Ausbeutung, Zwang und Herrschaft, sondern sind eine notwendige Überlebensstrategie, um die bestehende Ordnung zu reproduzieren und somit vor sich selber zu schützen. Die Aushandlung von Kompromissen zwischen Arbeitnehmer_innen und Arbeitgeber_innen ist nicht emanzipatorisch, da sie nur reformiert und nicht dem Grundproblem kapitalistischer Produktionsweise den Kampf ansagt. Im Gegenteil, selbst der banale Appell von mehr verfügbaren Geld am Ende des Monats steht nicht mehr im Vordergrund der stabilisierenden Gewerkschaftsideologie, da zugunsten von mehr Arbeitsplätzen sogar darauf verzichtet wird, obwohl und gerade die fortschreitende Technologiesierung diese dankenswerter Weise überflüssig macht.

Für den Staat ist dies ein gefundenes Fressen. Es lässt sich beispielsweise konstatieren, dass Bundestagsdebatten darüber geführt werden Gewerkschaften wie die GdL zu verbieten und über Gericht die Streiks der GdF zu verbieten, um Schaden abzuwenden.

Das Schaden-abwenden haben – bis auf die ein oder andere Gewerkschaft – die Interessengruppen bereits verinnerlicht. Man möchte nicht einmal mehr einen radikalen Arbeitskampf für wenigstens mehr Lohn führen, der eben nur durch das Bestreiken von Betrieben und Institutionen, zu „gewinnen“ ist, sondern man trifft sich mit Arbeitgeber_innen in einer Sitzung um über lange Zeit hinweg über Tarife zu diskutieren. Daran möchte der Staat festhalten, da sie keinerlei Gefahr für die gegenwärtige Ordnung darstellen, ganz im Gegenteil. Bei Erfolg sorgen die Tarifverhandlungen zu einem Zuckerbrot; doch die Peitschenhiebe bleiben! Zwar mögen Reformen, die den Überlebenskampf im Kapitalismus erleichtern, individuell den einzelnen – mehr oder weniger – zusprechen, doch das Bestehende ist nicht das, woran wir festhalten!

Vielmehr besteht die dringende Notwendigkeit darin, das System samt seiner Lohnarbeit und alle einhergehenden Abscheulichkeiten zu überwinden, hin zu einer Welt, die sich nicht durch die Produktionsverhältnisse definiert. Dies hätte zur Folge, dass jegliche Verwertungslogik, mit der wir täglich konfrontiert sind, verschwinden wird. Wir müssen nicht mehr zur Deckung unseres Lebensunterhalts Arbeiten und Berufe ausführen, zu denen wir keinerlei Bezug haben, sondern wie Marx einst erklärte, dass „sich […]“ die Menschen „[…] in jedem beliebigen Zweige ausbilden […]“ können, „[…] die Gesellschaft die allgemeine Produktion regelt und […]“ und den Menschen „[…] eben dadurch möglich macht, heute dies, morgen jenes zu tun, morgens zu jagen, nachmittags zu fischen, abends Viehzucht zu treiben, nach dem Essen zu kritisieren, wie […]“ man „[…] gerade Lust […]“ hat, „[…] ohne je Jäger, Fischer, Hirt oder Kritiker zu werden.“ – Die deutsche Ideologie. Marx/Engels, MEW 3, S. 33, 1846/1932

Also weg vom langweiligen Bratwurst essen, weg von den Karnevals der Kulturen, und hin zur Kritik der kapitalistischen Verhältnisse!

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